Kaffeehauskultur in Österreich

Kaffeehauskultur in Österreich

Die Kaffeehauskultur hat in Österreich eine jahrhundertelange Tradition. In einem typischen Wiener Kaffeehaus konnte und kann man nicht nur Kaffee trinken und Kuchen essen, sondern auch Billard spielen und das Kulturprogramm genießen. Die Kaffeehauskultur wurde durch zahlreiche bekannte Schriftsteller und Künstler geprägt. Sie gehört sogar zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Entspannte Atmosphäre

In einem typischen Wiener Kaffeehaus herrscht eine entspannte Stimmung. Anders als in anderen Cafés war es dort immer üblich, nur einen Kaffee zu bestellen und stundenlang sitzen zu bleiben. Dies lud geradezu dazu ein, Zeitungen zu lesen oder sich dem Schreiben seiner eigenen Bücher hinzugeben. Traditionell gibt es in einem solchen Kaffeehaus immer eine große Auswahl an Zeitungen, insbesondere aus den Bereichen Kunst und Literatur. Diese sind üblicherweise auf einem Zeitungsständer aus dünnem Burgholz aufgebahrt.

Die Cafés sind oft mit gemütlichen Sitzgelegenheiten in Form von Sesseln ausgestattet. Klassischerweise stammen diese aus der früher in Wien ansässigen Thonet-Sessel-Manufaktur und laden zum gemütlichen Verweilen ein. Die Sessel stehen meist an Marmortischen. Die Kaffeehäuser sind oft an der Straße gelegen und mit einem sogenannten Schanigarten ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine Art Terrasse, auf der man sitzen und die vorbeigehenden Leute beobachten kann.

Bedient wird man in den Kaffeehäusern fast immer von Männern. Diese werden „Herr Ober“ gerufen und verfügen klassischerweise über Wortwitz und den typischen Wiener Charme.

In den Abendstunden wird zudem meist ein entspanntes Kulturprogramm angeboten. Die Besucher des Kaffeehauses können dabei Klaviermusik lauschen. Teilweise wird die Musik auch durch Literaturvorlesungen untermalt. Tagsüber wird in der Regel keine Musik in den Kaffeehäusern gespielt.

Früher war es üblich, dass die Kaffeehäuser auch unter der Woche bis weit nach Mitternacht geöffnet hatten. Dies hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten geändert. Als einziges Café hat das Kaffee Alt Wien immer noch jeden Tag auch nachts geöffnet. Im Café Drechsler kann man nur noch am Wochenende bis nach Mitternacht verweilen. Alle anderen Cafés haben „normale“ Öffnungszeiten.

Im Jahr 2011 erfolgte ein Ritterschlag für die Kaffeehäuser. Die Wiener Kaffeehauskultur wurde von der UNESCO in das immaterielle Weltkulturerbe aufgenommen.

Geschichte der Kaffeehäuser

Der Legende nach entstand das erste Kaffeehaus im 17. Jahrhundert aus einem Zufall heraus. Im Jahr 1683 fand die sogenannte Zweite Türkenbelagerung statt, bei der das osmanische Reich erfolglos versuchte, Wien zu erobern. Im Rahmen der Befreiung aus dieser Belagerung sollen die Wiener Säcke mit Bohnen gefunden haben, die sie nicht zuordnen konnten. Ein österreichischer Offizier habe die Bohnen an sich genommen und das erste Kaffeehaus gegründet.

Diese Geschichte ist jedoch nachweislich erfunden und wurde erst einige Zeit später erzählt. Tatsächlich wurde das erste Kaffeehaus dieser Art jedoch im Jahr 1685 gegründet. Um das Jahr 1900 gab es in Wien bereits 600 solcher Cafés. Allein auf der Wiener Ringstraße existierten damals 30 Lokalitäten dieser Art. Zu dieser Zeit waren die Kaffeehäuser dafür bekannt, dass sich dort namhafte Künstler und Schriftsteller trafen. So dienten die Lokalitäten nicht nur zum Gedankenaustausch, sondern auch als Arbeitsplatz für viele Schriftsteller. In dieser Zeit entstand die sogenannte „Kaffeehausliteratur“.

Im 17. Jahrhundert wurden die ersten Billardtische in Kaffeehäusern aufgestellt. Das Spiel erfreute sich bei der Bevölkerung, insbesondere bei den Besuchern der Cafés, immer größerer Beliebtheit. Auch Mozart soll die eine oder andere Partie gespielt haben. Während Billard zunächst als Spiel der Adligen galt, wurde es auch bei der „normalen“ Bevölkerung immer beliebter.

Anfang des 19. Jahrhunderts standen die Kaffeehäuser kurz vor dem Aus. Durch Napoleons Kontinentalsperre wurden die Zölle auf Kaffeebohnen so hoch, dass sie knapp vor dem Ruin standen. Nach dem Ende der Handelssperre erholten sich die Lokale aber von dieser Krise. Bis 1856 war der Besuch der Kaffeehäuser nur Männern vorbehalten. Danach durften auch Frauen in die Lokale einkehren.

Heute gibt es allein in Wien über 1000 Cafés. Diese orientieren sich teilweise eng an der traditionellen Kaffeehauskultur, die seit den 1990er Jahren wieder im Kommen ist. Sie stehen jedoch in Konkurrenz zu modernen Espressobars und Szene-Cafés. Trotzdem gibt es eine Vielzahl an Häusern, die noch an den alten Traditionen und Requisiten festhalten.

Kaffee und Speisen

In einem Wiener Kaffeehaus wird der Kaffee grundsätzlich gekocht und nicht gebrüht. Ein einheitliches Rezept oder einen bestimmte Bohnenart wird dabei nicht bevorzugt. Jedes Café setzt auf seine eigene Bohnenmischung und hält diese auch in der Regel geheim. Der Kaffee wird typischerweise auf einem kleinen Tablett mit einem Glas Wasser serviert. Diese Art der Präsentation wird nicht nur in Wiener Kaffeehäusern, sondern in vielen Lokalen in ganz Österreich genutzt. Kaffee gibt es dort in allen Farben und Variationen: Von tiefschwarz bis milchig-weiß ist für jeden Kaffeeliebhaber etwas dabei.

Die meisten Kaffeehäuser haben ein Angebot an kleineren Speisen. Meist werden Süßspeisen angeboten. Kuchen, Torten und andere Süßspeisen passen am besten zum Kaffee und stehen daher auf der Speisekarte. Es gibt jedoch auch Kaffeehäuser, die eine umfangreiche Auswahl an warmen Speisen anbieten. In fast allen Kaffeehäusern werden als einzige warme Speise klassischerweise Würstel mit Senf angeboten.

Ferienhäuser und Ferienwohnungen

Ferienhäuser und Ferienwohnungen

Über 9.000 Ferienhäuser, Ferienwohnungen und Berghütten in ganz Österreich.

Ferienhaus im Salzburger Land

Ferienhaus im Salzburger Land

Hier finden Sie alles, was Ferien in den Bergen erlebnisreich und erholsam macht.

Ferienhaus in Tirol

Ferienhaus in Tirol

Ferienhäuser im wunderschönen Tirol mieten.